Apertus 1.5: Multimodale Schweizer KI mit 4× längerem Kontext

Auf den Punkt
Apertus 1.5, veröffentlicht am 24. Juli 2026 von ETH Zürich, EPFL und CSCS, ist die erste vollständig offene, multimodale Schweizer KI-Generation: mit nativer Bildverarbeitung, optionalem Thinking Mode, 262'144 Token Kontextfenster und verbesserter Tool-Integration. Für Schweizer KMU bedeutet das produktionsreife, souveräne, selbst hostbare KI ohne Vendor-Lock-in und ohne Compliance-Risiko.
Was ist Apertus 1.5?
Am 24. Juli 2026 haben ETH Zürich, EPFL und das CSCS mit Apertus 1.5 die zweite Generation ihres offenen Sprachmodells veröffentlicht. Gegenüber Apertus 1.0 aus dem September 2025 kommen native Bildverarbeitung, ein optionaler Thinking Mode, ein auf 262'144 Token vervierfachtes Kontextfenster sowie verbesserte Instruktionsbefolgung und Tool-Integration hinzu. Das 8B-Modell wurde mit zusätzlich 4 Billionen, das 70B-Modell mit 2 Billionen Token weitertrainiert – beide bleiben, wie schon Apertus 1.0, unter Apache-2.0-Lizenz frei verfügbar, offen und selbst hostbar.
Die vier zentralen Neuerungen im Detail
- Native Bildverstehen: Dokumente, technische Zeichnungen, Diagramme und Fotos werden direkt verarbeitet – ohne separate OCR-Pipeline.
- Thinking Mode: Ein optionaler Reasoning-Schritt vor der Antwort verbessert die Leistung bei mehrstufigen, strategischen Aufgaben.
- Long Context: 262'144 Token erlauben ganze Geschäftsberichte, technische Handbücher oder lange Dialogverläufe ohne Chunking oder Informationsverlust.
- Tool Use & Instruction-Following: Präzisere Befehlsausführung und robustere Anbindung externer Tools und APIs – die Grundlage für agentische Workflows.
Warum das für Schweizer KMU zählt
Für Schweizer Unternehmen bedeutet Apertus 1.5 vor allem eines: Souveränität wird praktisch nutzbar. Daten bleiben auf Schweizer Infrastruktur, es entsteht keine Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern, und das Modell ist von Grund auf revDSG-konform sowie an die Transparenzpflichten des EU AI Act nach Artikel 50 angelehnt. Wer die regulatorischen Details für KI-Agenten und Hochrisiko-Anwendungen vertiefen will, findet sie in unserer Analyse zum EU AI Act Omnibus 2026 für Schweizer KMU.
Die Swiss AI Initiative verankert Apertus damit als Eckpfeiler eines souveränen KI-Stacks – flankiert durch die Council of Europe AI Framework Convention, das Canton Zurich AI Innovation Programme und ein wachsendes Netz von Digital Innovation Hubs (EDIHs).
Kein Vendor-Lock-in mehr: Tiefere Total Cost of Ownership
Weil Apertus 1.5 als Open-Weight-Modell selbst gehostet werden kann, entfällt die klassische Kalkulation nach Token-Gebühren. Für KMU mit planbarem, hohem Anfragevolumen verschiebt das die Kostenstruktur fundamental – weg von variablen API-Kosten, hin zu einmaligen Infrastruktur- und Betriebskosten. Diese Dynamik treibt seit Monaten den branchenweiten Preiskollaps bei proprietären KI-Anbietern, den auch OpenAI, Claude und Gemini zu spüren bekommen.
Selbst hosten oder Plattform nutzen
Apertus 1.5 steht auf Hugging Face (swiss-ai/Apertus-v1.5-8B und -70B) zum direkten Download bereit. Wer keine eigene GPU-Infrastruktur betreiben will, nutzt die Swiss AI Platform von Swisscom als Deployment-Option – inklusive Confidential-Computing-Optionen für besonders sensible Daten.
Multimodalität in der Praxis
Im offiziellen Release-Material demonstriert das Team die neue Bildverarbeitung anhand einer technischen Schnittzeichnung des Wasserkraftwerks Niederried-Radelfingen: Apertus 1.5 interpretiert Bauteile, Beschriftungen und Zusammenhänge korrekt und beschreibt sie in natürlicher Sprache. Für Schweizer KMU eröffnet das konkrete Anwendungen in der Vertragsanalyse, der technischen Dokumentation, der Qualitätskontrolle und im mehrsprachigen Kundensupport – Bereiche, in denen bislang oft manuell oder mit teuren Spezial-Tools gearbeitet wurde.
262'144
Token Kontextfenster – das 4-Fache von Apertus 1.0
Mehrsprachigkeit und Ökosystem
Apertus 1.0 wurde bereits mit über 1000 Sprachen trainiert, davon 40 Prozent nicht-englischsprachig – inklusive Schweizerdeutsch und Rätoromanisch. Community-Projekte wie das Schweizerdeutsch-Fine-Tuning von Lightly.ai zeigen, wie anpassbar das offene Modell ist. Wie die Schweiz mit Apertus eine eigenständige Position gegenüber US- und chinesischen KI-Giganten aufbaut, ordnet der Beitrag Apertus LLM von der ETH Zürich: Europas Antwort auf US- und chinesische KI-Giganten ein.
Was das für deine KI-Strategie bedeutet
Apertus 1.5 ist kein Grund, ein bestehendes Setup über Nacht zu ersetzen – aber ein starkes Argument dafür, dich nicht an ein einzelnes Modell zu binden. Wer heute agentische Workflows plant, sollte offene Alternativen wie Apertus von Anfang an in die Architektur einbeziehen. Wie du dabei vorgehst, statt dich früh festzulegen, beschreiben wir in Warum Modell-Agilität wichtiger ist als Modell-Wahl.
Fazit
Apertus 1.5 macht aus einem akademischen Vorzeigeprojekt ein produktionsreifes Werkzeug: multimodal, langkontextfähig, werkzeugfähig und vollständig offen. Für Schweizer Entscheiderinnen und Entscheider ist das der Moment, souveräne KI nicht mehr nur zu diskutieren, sondern zu evaluieren.
Häufige Fragen
- Was ist Apertus 1.5 genau?
- Apertus 1.5 ist die zweite Generation des offenen Schweizer Sprachmodells von ETH Zürich, EPFL und CSCS, veröffentlicht am 24. Juli 2026. Es erweitert Apertus 1.0 um native Bildverarbeitung, Thinking Mode, ein auf 262'144 Token vervierfachtes Kontextfenster sowie verbesserte Tool-Integration und Instruktionsbefolgung.
- Ist Apertus 1.5 kostenlos nutzbar?
- Ja. Die Modelle swiss-ai/Apertus-v1.5-8B und -70B stehen auf Hugging Face als Open-Weight-Modelle frei zum Download bereit und können selbst gehostet werden, ohne per-Token-Gebühren.
- Ist Apertus 1.5 revDSG- und EU-AI-Act-konform?
- Apertus ist von Grund auf auf Transparenz und Compliance ausgelegt: Trainingsdaten wurden gefiltert, Opt-outs respektiert, und das Modell orientiert sich an den Transparenzpflichten nach Artikel 50 des EU AI Act sowie den Anforderungen des revDSG.
- Wie unterscheidet sich Apertus 1.5 von Apertus 1.0?
- Apertus 1.0 (September 2025) war rein textbasiert mit 15 Billionen Trainingstoken. Apertus 1.5 fügt native Bildverarbeitung, Thinking Mode und ein 4-fach längeres Kontextfenster hinzu, trainiert mit zusätzlich 4 Billionen (8B) beziehungsweise 2 Billionen (70B) Token.
- Kann ich Apertus 1.5 ohne eigene Infrastruktur nutzen?
- Ja, über die Swiss AI Platform von Swisscom sowie weitere Inference Provider. Für Austausch und Support gibt es zudem den Swiss AI SME Circle und die Swiss {ai} Weeks.
Quellen
Möchten Sie dieses Thema für Ihr Unternehmen vertiefen?
Kapazität prüfen