Der Aufschreib-Test: Finde KI-Agenten-Prozesse als Entscheider

Auf den Punkt
Wer einen Arbeitsablauf Schritt für Schritt aufschreiben kann, hat einen konkreten Kandidaten für einen KI-Agenten identifiziert. Der Aufschreib-Test von Seth Godin wird so zum Entscheider-Werkzeug: Er zeigt Automatisierungspotenzial, sichert Betriebswissen und bereitet Delegation vor, ohne dass du ein eigenes KI-Team aufbauen musst.
Die Frage klingt fast zu einfach: Kannst du aufschreiben, was dein Team den ganzen Tag tut? Wenn du einen Ablauf Schritt für Schritt beschreiben kannst, hast du einen konkreten Kandidaten für einen KI-Agenten identifiziert. Der Gedanke stammt von Seth Godin und ist als Bedrohung missverstanden worden. Für Geschäftsführer ist er das Gegenteil: eine nüchterne Diagnose, die Automatisierungspotenzial sichtbar macht, ohne dass du ein eigenes KI-Team aufbauen musst.
Der Kern des Tests: Aufschreibbarkeit als Automatisierungssignal
Seth Godin hat den Test im Podcast 'Diary of a CEO' formuliert. Sein Argument: Wer eine Tätigkeit präzise aufschreiben kann, kann sie auch trainieren, delegieren oder automatisieren. Damit wird der Aufschreib-Test zum praktischen Filter für Entscheider. Statt über abstrakte KI-Fähigkeiten zu spekulieren, prüfst du die konkrete Struktur deiner Abläufe.
"You want a job where nobody can write down what you do all day"
Für dich als Führungskraft heisst das nicht, dass du Mitarbeitende ersetzen willst. Es heisst, dass du zwei Risiken gleichzeitig angehst. Ein Prozess, den niemand aufschreiben kann, ist weder automatisierbar noch gegen den Abgang des Wissensträgers geschützt. Genau hier setzt die Funktionsweise von KI-Agenten an: Sie brauchen klare Handlungsanweisungen, um zuverlässig zu arbeiten.
Drei Fragen als Entscheider-Selbsttest
- Frage 1: Ist der Ablauf vorhersagbar?
- Wenn die Schritte in bekannter Reihenfolge ablaufen, ist das ein starkes Signal für einen KI-Agenten.
- Frage 2: Gibt es klare Regeln für Einzelfälle?
- Je weniger Ausnahmen und Sonderfälle, desto besser. Unklare Einzelfälle brauchen menschliches Urteilsvermögen.
- Frage 3: Sind die nötigen Daten verfügbar?
- Ohne zugängliche Daten kann ein KI-Agent weder lernen noch entscheiden. Datenverfügbarkeit ist eine zentrale Voraussetzung.
Wenn du alle drei Fragen mit Ja beantworten kannst, ist der Prozess ein klarer Kandidat für einen KI-Agenten. Wenn du bei einer Frage zögerst, hast du einen konkreten Ansatzpunkt für Prozessverbesserung gefunden. Der Schweizer KI-Podcast bringt es auf den Punkt: KI ist ein Management-Thema, kein reines IT-Projekt. Strukturen vor Tools.
Vom Aufschreiben zur Delegation: Betriebswissen sichern
Das Aufschreiben ist kein Selbstzweck. Es ist die Grundlage, um Betriebswissen zu sichern und Delegation vorzubereiten. Viele Schweizer KMU tragen kritisches Wissen in den Köpfen weniger Schlüsselpersonen. Viele Prozesse sind heute nicht KI-Agenten-bereit. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine klare Prioritätenliste.
95%
der Prozesse sind laut Readiness Check nicht KI-Agenten-bereit
Erster Schritt
Beginne mit dem Prozess, den du selbst am besten kennst. Wenn du ihn in zehn Schritten aufschreiben kannst, hast du deinen ersten KI-Agenten-Kandidaten. Alles Weitere ist ein Gespräch wert.
Warum das Aufschreiben keine Bedrohung ist
Der Aufschreib-Test wird oft als Angst-Test missverstanden: Wer seinen Job beschreiben kann, ist ersetzbar. Für ein Unternehmen ist das eine falsche Perspektive. Automatisierung übernimmt nicht den Menschen, sondern die repetitive Wissensarbeit. Der Mensch bleibt für Urteilsvermögen, Beziehungen und Ausnahmen zuständig. KI als Hebel statt Arbeitskraft bedeutet: Du investierst Zeit in Struktur und gewinnst Kapazität für das Wesentliche.
Dein nächster Schritt in drei Sätzen
- Wähle einen Prozess aus, der dich regelmässig Zeit kostet.
- Schreibe die Schritte auf, so präzise du kannst.
- Prüfe die drei Fragen und markiere Lücken.
Wenn du den Test einmal durchführst, wirst du überrascht sein, wie viele Abläufe bereits reif für einen KI-Agenten sind. Der Rest ist Umsetzung.
Häufige Fragen
- Was ist der Aufschreib-Test von Seth Godin?
- Der Test besagt: Wenn jemand aufschreiben kann, was du den ganzen Tag tust, kann eine KI darauf trainiert werden, diese Tätigkeit zu übernehmen. Für Entscheider wird daraus ein Diagnosewerkzeug für Automatisierungspotenzial.
- Ist der Test eine Drohung für Mitarbeitende?
- Nein. Er ist ein nüchternes Werkzeug, um repetitive Arbeit von menschlichem Urteilsvermögen zu trennen. Ziel ist nicht Stellenabbau, sondern Kapazität für wertvollere Aufgaben.
- Wie erkenne ich einen Prozess, der für einen KI-Agenten geeignet ist?
- Drei Fragen helfen: Ist der Ablauf vorhersagbar? Gibt es klare Regeln für Einzelfälle? Sind die nötigen Daten verfügbar? Wenn du alle drei mit Ja beantworten kannst, ist der Prozess ein Kandidat.
- Was tun, wenn ein Prozess nicht aufschreibbar ist?
- Dann hast du ein doppeltes Risiko: Er ist weder automatisierbar noch gegen den Abgang des Wissensträgers geschützt. Beginne mit der Dokumentation der Schritte, auch wenn sie unvollständig ist.
- Brauche ich ein eigenes KI-Team, um KI-Agenten einzusetzen?
- Nein. Der Einstieg gelingt auch ohne eigenes Team, wenn du Prozesse sauber dokumentierst und auf erfahrene Partner setzt. Wichtiger als Technik ist die Klarheit über deine Abläufe.
- Wie hängt der Test mit Betriebswissen zusammen?
- Jeder aufgeschriebene Prozess ist gesichertes Betriebswissen. Das schützt dich vor dem Verlust von Schlüsselpersonen und schafft die Grundlage für Delegation und Automatisierung.
Quellen

Chris Jon Graf · KI-Stratege & CEO
Seit über 15 Jahren baut Chris Jon Graf produktive Schweizer Softwareplattformen und berät Geschäftsleitungen beim strategischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Möchten Sie dieses Thema für Ihr Unternehmen einordnen?