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EDIHs und Swiss AI Centre: So nutzt dein KMU kostenlose KI-Programme

Chris Jon Graf · KI-Stratege & CEOVeröffentlicht am 1. August 2026
EDIHs und Swiss AI Centre: So nutzt dein KMU kostenlose KI-Programme

Auf den Punkt

Schweizer KMU können ab sofort EDIHs, das Swiss AI Centre, das Canton Zurich AI Innovation Programme und Innosuisse-Förderung nutzen: kostenlose Beratung zur Use-Case-Identifizierung, Testinfrastruktur, Zugang zu KI-Ingenieuren, regulatorische Unterstützung bei EU AI Act und revDSG sowie bis zu 50 Prozent Projektfinanzierung – wenn du weisst, wo und wie du dich bewirbst.

Die Schweiz hat seit Juli 2026 einen nationalen KI-Aktionsplan – aber die eigentliche Frage für dein Unternehmen lautet nicht mehr ob, sondern wie du die dafür bereitgestellte Infrastruktur nutzt. European Digital Innovation Hubs (EDIHs), das Swiss AI Centre, das Canton Zurich AI Innovation Programme und Innosuisse-Förderprogramme bieten Schweizer KMU schon heute kostenlose Beratung, Testinfrastruktur, Zugang zu KI-Ingenieuren und bis zu 50 Prozent Projektfinanzierung. Der Zugang ist offen – er wird nur selten genutzt, weil die wenigsten KMU wissen, wo sie ansetzen sollen.

Das Problem, das diese Programme lösen

Eine Studie der HWZ und Swisscom mit 123 Schweizer KMU (September/Oktober 2024) identifizierte drei Haupthürden bei der KI-Einführung: Fachkräftemangel, regulatorische Unsicherheit und fehlende interne Expertise. Genau diese drei Punkte adressieren EDIHs strukturell – nicht als Förderprogramm im klassischen Sinn, sondern als externe Kapazität, die du temporär anzapfst, bevor du selbst investierst. Wie diese Lücke zwischen KI-Ambition und KI-Umsetzung in Schweizer KMU aktuell aussieht, zeigt das 76%-Paradox im Detail.

Vier Zugangspunkte auf einen Blick

  • EDIHs und Swiss AI Centre: Beratung, Testinfrastruktur und regulatorische Begleitung – kantonal und national koordiniert
  • Canton Zurich AI Innovation Programme (SDSC): einjähriges, kostenloses Programm für KMU mit konkreten Piloten
  • Innosuisse-Förderung: bis zu 50 Prozent Projektkosten für KI-Vorhaben mit Forschungspartner
  • AI Days 2026 (HES-SO): dreitägige Praxis-Workshops zu ML-Grundlagen, generativer KI und Computer Vision

European Digital Innovation Hubs und das Swiss AI Centre

Der Schweizer KI-Aktionsplan nennt EDIHs explizit als Unterstützungsinfrastruktur für KMU – mehr dazu findest du im Überblick zum nationalen Fahrplan. Konkret bieten EDIHs vier Leistungen: Beratung zur Identifizierung geeigneter Use Cases und zur Roadmap-Entwicklung, Zugang zu Testinfrastruktur wie Sandbox-Umgebungen, Rechenleistung und Testlizenzen, Zugang zu Spezialistinnen und Spezialisten wie KI-Ingenieuren, Data Scientists und Fachexperten, sowie regulatorische Begleitung zu EU AI Act, revDSG und branchenspezifischen Auflagen. Für ein KMU ohne eigene Data-Science-Abteilung ist das oft der einzige realistische Weg, einen ersten Piloten seriös zu evaluieren.

Canton Zurich AI Innovation Programme

Das von der Wirtschaftsförderung Kanton Zürich zusammen mit dem Swiss Data Science Center (SDSC) lancierte Programm läuft über ein Jahr, ist für teilnehmende KMU kostenlos und folgt drei Stufen: KI entmystifizieren, Prototypen entwickeln, vielversprechende Pilotprojekte umsetzen. Die erste Kohorte startete im September 2025 mit 12 ausgewählten KMU aus 28 Bewerbungen – ein Selektionsverhältnis, das zeigt, dass Vorbereitung sich lohnt. Die nächste Kohorte startet im September 2026, die Informationsveranstaltung dazu findet am 30. Juni 2026 von 13:00 bis 13:45 Uhr statt. Die Bewerbung läuft über ein Online-Formular.

Innosuisse: Bis zu 50 Prozent Projektfinanzierung

Innosuisse finanziert bis zu 50 Prozent der Projektkosten für KMU und Startups, die KI-Produkte oder -Dienstleistungen in Zusammenarbeit mit einer Schweizer Forschungsinstitution entwickeln. Für forschungsintensive KI-Projekte im Life-Sciences-Bereich existieren Flagship-Calls mit typischen Fördersummen zwischen CHF 100'000 und 1 Million. Der Swiss Accelerator richtet sich an KMU mit überdurchschnittlichem Innovationspotenzial in einem kompetitiven Auswahlverfahren. Auf kantonaler Ebene ergänzt beispielsweise Waadt mit DigiBoost-Gutscheinen von CHF 10'000 für KMU mit weniger als 50 Mitarbeitenden, finanziert über den Fonds der Neuen Regionalpolitik.

AI Days 2026 der HES-SO

Vom 23. bis 25. März 2026 finden in Martigny und Fribourg die AI Days 2026 statt, organisiert von der HES-SO und dem Swiss AI Centre. Mit über 350 erwarteten Teilnehmenden bieten die drei Tage Workshops zu ML-Grundlagen für KMU, generativer KI in Geschäftsprozessen, Computer Vision für industrielle Anwendungen sowie Methoden von der Konzeptidee zum Prototyp und einem Überblick über Fördermöglichkeiten. Zu den Fachexpertinnen und -experten zählen Francesco Carrino (HEI Valais, Local Chair), Thilo Stadelmann (ZHAW), Sébastien Rumley und Jean Hennebert (beide HEIA-FR). Partner sind unter anderem das Eksperience Festival, Alp ICT, die Wirtschaftsförderung Kanton Freiburg, Pure Storage, Exoscale und die Wirtschaftsförderung Wallis.

So bewirbst du dich – Schritt für Schritt

  1. Identifiziere intern einen konkreten Anwendungsfall (nicht 'KI generell') – ein Prozess mit messbarem Aufwand, der sich automatisieren oder unterstützen lässt
  2. Prüfe, welches Programm passt: EDIH-Beratung für die erste Orientierung, Canton Zurich AI Innovation Programme für ein strukturiertes Jahr, Innosuisse für ein Projekt mit Forschungspartner
  3. Reiche die Bewerbung über das jeweilige Online-Formular fristgerecht ein – beim Canton-Zürich-Programm vor dem Kohortenstart im September, bei Innosuisse projektabhängig
  4. Bereite dich auf ein Auswahlgespräch vor: Bewertet werden meist Klarheit des Anwendungsfalls, Umsetzungsbereitschaft und Verfügbarkeit interner Ressourcen für die Zusammenarbeit
  5. Plane die interne Begleitung ein – auch ein kostenloses Programm braucht Zeit von deinem Team, insbesondere für Datenzugang und Fachwissen

Was du konkret bekommst

  • Kostenlose Beratung zur Use-Case-Identifizierung und Priorisierung
  • Zugang zu Testinfrastruktur: Sandbox-Umgebungen, Rechenleistung, Testlizenzen
  • Direkter Zugang zu KI-Ingenieuren, Data Scientists und Fachexperten ohne eigene Anstellung
  • Regulatorische Begleitung zu EU AI Act, revDSG und branchenspezifischen Anforderungen
  • Bis zu 50 Prozent Finanzierung der Projektkosten über Innosuisse bei Forschungskooperation

Erste Resultate aus der ersten Kohorte

Die erste Kohorte des Canton Zurich AI Innovation Programme hat zwei kollaborative Open-Source-Projekte hervorgebracht: eine RAG-Pipeline und ein Zeitreihen-Prognosemodell, beide unter MIT-Lizenz auf GitHub veröffentlicht. Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, dass aus einem kostenlosen, öffentlich getragenen Programm nicht nur individuelle Piloten, sondern wiederverwendbare Bausteine für die ganze KMU-Landschaft entstehen können.

Die erste Kohorte ist eine robuste Gruppe, die bereit ist, echte und nachhaltige KI-Innovation voranzutreiben.

Jetzt vormerken

Die Informationsveranstaltung zur nächsten Kohorte des Canton Zurich AI Innovation Programme findet am 30. Juni 2026 von 13:00 bis 13:45 Uhr statt. Die Kohorte startet im September 2026 – wer sich jetzt vorbereitet, hat gegenüber den 28 Bewerbungen der ersten Runde einen Zeitvorsprung.

Warum jetzt der richtige Moment ist

Sinkende Modellkosten senken die technische Einstiegshürde, wie die Analyse zum KI-Preisverfall 2026 zeigt – EDIHs und die genannten Programme senken gleichzeitig die Wissens- und Kapazitätshürde. Beide Effekte zusammen verschieben das Zeitfenster für KMU spürbar: Was vor zwei Jahren nur mit eigenem Data-Science-Team realistisch war, ist heute über befristete externe Unterstützung zugänglich.

Wichtig ist, dass ein kostenloses Programm keine dauerhafte Struktur ersetzt. Sobald ein Pilot erfolgreich war, brauchst du eine interne oder extern koordinierte Instanz, die Priorisierung, Governance und Skalierung übernimmt – dazu mehr im Beitrag zum KI Center of Excellence. Die Programme sind der Einstieg, nicht die Lösung für die nächsten fünf Jahre.

12 von 28

KMU wurden für die erste Kohorte des Canton Zurich AI Innovation Programme ausgewählt

bis zu 50%

der Projektkosten übernimmt Innosuisse bei KI-Vorhaben mit Forschungspartner

350+

erwartete Teilnehmende an den AI Days 2026 in Martigny und Fribourg

Häufige Fragen

Wer kann sich für das Canton Zurich AI Innovation Programme bewerben?
Das Programm richtet sich an KMU im Kanton Zürich. Die erste Kohorte wählte 12 von 28 Bewerbungen aus; die Bewerbung erfolgt über ein Online-Formular des Swiss Data Science Center, die nächste Kohorte startet im September 2026.
Was kostet die Teilnahme an EDIH-Beratung oder dem Canton Zurich Programme?
Die Teilnahme ist kostenlos. Finanziert werden die Programme über kantonale Wirtschaftsförderung und nationale Trägerschaften; dein Aufwand besteht primär aus interner Zeit für Datenzugang und Fachwissen.
Wie unterscheidet sich Innosuisse-Förderung von den EDIH-Programmen?
EDIHs und das Canton Zurich Programme bieten Beratung, Infrastruktur und Fachwissen ohne direkte Geldleistung. Innosuisse übernimmt hingegen bis zu 50 Prozent der Projektkosten, setzt aber eine Zusammenarbeit mit einer Schweizer Forschungsinstitution voraus.
Helfen die Programme auch bei EU AI Act und revDSG-Fragen?
Ja. Regulatorische Begleitung zu EU AI Act, revDSG und branchenspezifischen Anforderungen gehört zu den vier Kernleistungen der EDIHs.
Was passiert nach einem erfolgreichen Pilotprojekt?
Die Programme liefern Piloten und teils wiederverwendbare Bausteine, ersetzen aber keine dauerhafte interne Struktur. Für Skalierung und Governance braucht es danach eine koordinierende Instanz im Unternehmen.

Quellen

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