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Incore Bank: KI-Agenten und Banking-Governance vereinbar

Chris Jon Graf · KI-Stratege & CEOVeröffentlicht am 8. September 2026
Incore Bank: KI-Agenten und Banking-Governance vereinbar

Auf den Punkt

Ja – Incore Bank zeigt im Proof of Concept mit Kyndryl und Google Cloud, dass KI-Agenten KYC-Onboarding von Monaten auf Tage verkürzen können, ohne Governance zu opfern: Mensch-im-Loop, Nachvollziehbarkeit und Audit-Trails bleiben zentral. Der Fall belegt, dass hochregulierte Branchen agentenbasierte KI produktionsreif einsetzen können.

Wenn eine Schweizer Bank KI-Agenten testet, horchen Entscheider auf – zu Recht. Incore Bank, Kyndryl und Google Cloud haben im Januar 2025 einen Proof of Concept vorgestellt, der zeigt, wie agentenbasierte KI das KYC-Onboarding von Monaten auf Tage verkürzen kann – ohne die in der Finanzbranche unverzichtbare Governance zu opfern. Für Sie als Geschäftsführer oder Verwaltungsrat heisst das: Hochregulierte Branchen können KI-Agenten produktionsreif einsetzen, wenn Nachvollziehbarkeit, Mensch-im-Loop und Audit-Trails sauber gelöst sind.

Executive Summary

Incore Bank, Kyndryl und Google Cloud haben im Januar 2025 einen Proof of Concept für KI-Agenten im KYC-Onboarding veröffentlicht. Das Ergebnis: KYC-Prozesse, die bisher Wochen bis Monate dauerten, lassen sich auf Tage verkürzen – bei voller Nachvollziehbarkeit, Mensch-im-Loop-Kontrolle und Audit-Trails. Der Fall zeigt, dass agentenbasierte KI auch in hochregulierten Branchen produktionsreif ist, wenn Governance-Rahmenbedingungen von Anfang an Teil der Architektur sind.

Partner
Incore Bank, Kyndryl, Google Cloud
Use Case
KYC-Onboarding (Know Your Customer)
Zeiteinsparung
Von Monaten auf Tage
Governance-Elemente
Mensch-im-Loop, Audit-Trails, Nachvollziehbarkeit
Technologie
Google Gemini, Kyndryl Agentic AI Framework

Warum der Fall Incore Bank für Schweizer Entscheider relevant ist

KI-Agenten – autonome Systeme, die komplexe Aufgaben eigenständig planen, ausführen und anpassen – gelten vielen Entscheidern noch als Zukunftstechnologie. Der Proof of Concept von Incore Bank, Kyndryl und Google Cloud belegt das Gegenteil: KI-Agenten sind produktionsreif, auch in Branchen mit strengsten Compliance-Anforderungen. Für Sie als Geschäftsführer oder Verwaltungsrat sind drei Erkenntnisse zentral:

  • **Regulierte Prozesse sind kein Ausschlusskriterium.** KYC-Onboarding unterliegt Geldwäschereibekämpfung, Datenschutz und Bankenaufsicht – der Fall zeigt, dass KI-Agenten diese Anforderungen erfüllen können, wenn Governance-Rahmenbedingungen von Anfang an Teil der Architektur sind.
  • **Mensch-im-Loop bleibt zentral.** Der Proof of Concept setzt auf kontrollierte Autonomie: Kritische Entscheidungen – etwa die finale Freigabe eines Kundenkontos – bleiben bei Menschen. KI-Agenten übernehmen die repetitive, zeitintensive Arbeit (Dokumentenprüfung, Abgleich mit Sanktionslisten, Risikoanalyse), Menschen die strategische Freigabe.
  • **Nachvollziehbarkeit ist Architektur-Entscheidung.** Jede Agenten-Aktion wird protokolliert, jeder Entscheidungspfad ist auditierbar. Das ist keine nachträgliche Funktion, sondern Teil der Plattform – ein zentraler Unterschied zu Black-Box-Automatisierung.

Was der Proof of Concept konkret gezeigt hat

Incore Bank hat mit Kyndryl und Google Cloud ein KI-Agenten-System für das KYC-Onboarding aufgebaut. Die Architektur kombiniert Google Gemini (multimodales Sprachmodell) mit dem Kyndryl Agentic AI Framework, das Governance-Funktionen wie Audit-Trails, Mensch-im-Loop-Kontrolle und Nachvollziehbarkeit bereitstellt.

Der Prozess läuft in drei Stufen:

  1. **Dokumentenerfassung und -prüfung:** Der KI-Agent liest hochgeladene Ausweisdokumente, Handelsregisterauszüge und weitere KYC-Unterlagen, extrahiert relevante Daten (Name, Geburtsdatum, Firmensitz, wirtschaftlich Berechtigte) und gleicht sie mit internen Vorgaben ab.
  2. **Risikoanalyse und Sanktionslisten-Abgleich:** Der Agent prüft automatisch, ob Personen oder Firmen auf Sanktionslisten (OFAC, EU, Schweizer SECO) stehen, bewertet Herkunftsländer und Geschäftsmodelle nach Risikokategorien und erstellt ein strukturiertes Risikoprofil.
  3. **Freigabe mit Mensch-im-Loop:** Das System legt das vollständige Dossier einem Compliance-Mitarbeiter vor – inklusive aller Prüfschritte, Quellen und Begründungen. Der Mensch entscheidet, ob das Konto eröffnet wird. Jede Entscheidung wird protokolliert.

Laut Incore Bank und Kyndryl verkürzt sich die Durchlaufzeit von mehreren Wochen (teils Monaten) auf wenige Tage – ohne dass die Bank Governance-Anforderungen senkt oder auf externe Prüfungen verzichtet. Der Proof of Concept wurde im Januar 2025 öffentlich gemacht; ein Produktivbetrieb ist in Planung, ein konkreter Zeitplan wurde nicht genannt (Quelle: finews.ch, 2025).

Governance-Architektur: Warum das kein Black-Box-Ansatz ist

Entscheidend ist, dass Governance hier nicht nachträglich aufgesetzt wird, sondern Teil der Plattform ist. Das Kyndryl Agentic AI Framework – eine Enterprise-Infrastruktur für KI-Agenten – bringt drei zentrale Funktionen mit:

  • **Audit-Trails auf Agenten-Ebene:** Jede Aktion eines Agenten – jedes gelesene Dokument, jeder API-Aufruf, jede Bewertung – wird protokolliert. Das ist keine optionale Funktion, sondern zwingende Architektur. Für Prüfer und Aufsichtsbehörden ist damit jederzeit nachvollziehbar, wie eine Entscheidung zustande kam.
  • **Mensch-im-Loop-Gates:** Das System definiert Entscheidungspunkte, an denen ein Mensch eingreifen muss – etwa bei Hochrisiko-Konstellationen oder unklaren Daten. Der Agent bereitet vor, der Mensch entscheidet.
  • **Policy-Engine:** Compliance-Regeln (z. B. Sanktionslisten-Abgleich, Herkunftsland-Bewertung) werden zentral definiert und versioniert. Ändern sich gesetzliche Vorgaben, wird die Policy aktualisiert – alle Agenten übernehmen sie automatisch.

Boomi – ein Anbieter von KI-Agent-Governance-Plattformen – beschreibt solche Systeme als "Agent Control Plane": eine zentrale Steuerungsebene, die Agenten überwacht, Policies durchsetzt und Audit-Daten bereitstellt (Quelle: Boomi, 2025). Der Ansatz ähnelt der Art, wie Kubernetes Container orchestriert – nur dass hier KI-Agenten orchestriert werden.

Was das für Schweizer Unternehmen bedeutet

Der Fall Incore Bank ist kein Einzelfall mehr. GE Appliances betreibt seit 2026 rund 800 KI-Agenten in der Produktion – für Qualitätskontrolle, Wartungsplanung und Lieferkettenoptimierung (Quelle: PYMNTS, 2026). Der Unterschied zu klassischer Automatisierung: Die Agenten passen sich selbstständig an neue Situationen an, lernen aus Abweichungen und eskalieren nur, wenn echte Ausnahmen vorliegen.

Für Sie als Geschäftsführer oder Verwaltungsrat ergeben sich vier strategische Konsequenzen:

  1. **Governance ist Architektur-Entscheidung, nicht Nachgedanke.** Wer KI-Agenten einführen will, muss Nachvollziehbarkeit, Mensch-im-Loop und Audit-Trails von Anfang an mitdenken – sonst scheitert das Projekt an Compliance oder Prüfungen.
  2. **Hochregulierte Branchen sind kein Ausschlusskriterium mehr.** Banken, Versicherungen, Gesundheitswesen – alle Branchen, die bisher KI-Agenten skeptisch gegenüberstanden, können heute produktionsreif starten, wenn die Governance-Architektur stimmt.
  3. **Start klein, skaliere schnell.** Incore Bank hat mit einem Proof of Concept begonnen – einem klar abgegrenzten Use Case. Das Muster ist übertragbar: Wählen Sie einen Prozess mit hohem manuellen Aufwand, klaren Regeln und messbarem Ergebnis (z. B. Vertragsfreigabe, Rechnungsprüfung, Compliance-Screening). Testen Sie dort, lernen Sie, skalieren Sie.
  4. **Vendor-Lock-in vermeiden.** Prüfen Sie, ob die Plattform offene Standards nutzt (z. B. OpenTelemetry für Logging, standardisierte APIs für Agenten-Orchestrierung). Proprietäre Frameworks binden Sie langfristig an einen Anbieter.

Nächste Schritte für Entscheider

Wenn Sie prüfen wollen, ob KI-Agenten für Ihr Unternehmen sinnvoll sind, gehen Sie in drei Schritten vor:

  1. **Prozess identifizieren:** Wählen Sie einen Prozess, der heute viel manuelle Arbeit kostet, klare Regeln hat und messbare Ergebnisse liefert. KYC-Onboarding, Vertragsfreigabe, Rechnungsprüfung und Compliance-Screening sind typische Kandidaten.
  2. **Governance-Anforderungen klären:** Definieren Sie, welche Entscheidungen ein Agent treffen darf und wo ein Mensch eingreifen muss. Klären Sie, welche Audit-Trails Ihre Branche verlangt (FINMA, revDSG, EU AI Act).
  3. **Proof of Concept mit Governance-Fokus:** Bauen Sie einen Prototyp, der nicht nur den Prozess automatisiert, sondern auch Nachvollziehbarkeit, Mensch-im-Loop und Audit-Trails umsetzt. Testen Sie, ob Prüfer und Fachbereiche das System akzeptieren.

Der Fall Incore Bank zeigt: KI-Agenten sind keine Zukunftstechnologie mehr. Sie sind produktionsreif – wenn Sie Governance von Anfang an mitdenken.

Häufige Fragen

Was unterscheidet KI-Agenten von klassischer Automatisierung?
KI-Agenten planen eigenständig, welche Schritte nötig sind, passen sich an neue Situationen an und eskalieren nur bei echten Ausnahmen. Klassische Automatisierung folgt festen Wenn-dann-Regeln und bricht ab, sobald ein unvorhergesehener Fall eintritt. KI-Agenten kombinieren Sprachmodelle, Tools und Entscheidungslogik – sie sind flexibler, aber auch komplexer zu steuern.
Wie stellt man sicher, dass KI-Agenten nachvollziehbar bleiben?
Governance-Plattformen wie das Kyndryl Agentic AI Framework oder Boomi Agent Control Plane protokollieren jede Agenten-Aktion – jedes gelesene Dokument, jeden API-Aufruf, jede Bewertung. Diese Audit-Trails sind Teil der Architektur, nicht nachträglich aufgesetzt. Zusätzlich definieren Unternehmen Mensch-im-Loop-Gates: Entscheidungspunkte, an denen ein Mensch eingreifen muss. So bleibt jede kritische Entscheidung nachvollziehbar und auditierbar.
Welche Branchen können KI-Agenten heute produktionsreif einsetzen?
Hochregulierte Branchen wie Banken (KYC-Onboarding, Compliance-Screening), Versicherungen (Schadensbearbeitung, Vertragsfreigabe), Gesundheitswesen (Patientenakte-Aufbereitung, Abrechnungsprüfung) und Industrie (Qualitätskontrolle, Wartungsplanung) setzen KI-Agenten bereits ein. Voraussetzung: Nachvollziehbarkeit, Mensch-im-Loop und Audit-Trails müssen von Anfang an Teil der Architektur sein.
Was kostet die Einführung von KI-Agenten?
Die Kosten hängen vom Umfang ab. Ein Proof of Concept für einen klar abgegrenzten Prozess (z. B. KYC-Onboarding, Rechnungsprüfung) kostet typischerweise zwischen CHF 50'000 und CHF 150'000 – abhängig von der Komplexität der Governance-Anforderungen und der Integration in bestehende Systeme. Produktivbetrieb und Skalierung liegen im mittleren sechsstelligen Bereich. Entscheidend: Die Investition rechnet sich nur, wenn der Prozess heute viel manuelle Arbeit kostet und die Zeiteinsparung messbar ist.
Wie vermeidet man Vendor-Lock-in bei KI-Agenten?
Setzen Sie auf offene Standards: OpenTelemetry für Logging und Monitoring, standardisierte APIs für Agenten-Orchestrierung, Cloud-agnostische Plattformen. Prüfen Sie, ob die Plattform Multi-Cloud-fähig ist und ob Sie Agenten auf eigener Infrastruktur betreiben können. Vermeiden Sie proprietäre Frameworks, die Sie langfristig an einen Anbieter binden.

Quellen

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