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KI-Verträge mit OpenAI, Anthropic und Microsoft prüfen: Die 5 Klauseln für Schweizer KMU

Chris Jon Graf · KI-Stratege & CEOVeröffentlicht am 15. September 2026
KI-Verträge mit OpenAI, Anthropic und Microsoft prüfen: Die 5 Klauseln für Schweizer KMU

Auf den Punkt

Schweizer KMU sollten bei KI-Verträgen mit OpenAI, Anthropic und Microsoft vor allem fünf Klauseln prüfen: Datenverarbeitungsstandort und DPA, Trainingsausschluss, Löschfristen, Subunternehmer und Haftungsobergrenzen. Wer diese Punkte sauber regelt, schafft die Grundlage für revDSG-Konformität und Klarheit bei der Haftung. Genau das zeigt dieser Prüfplan.

Warum du die KI-Verträge jetzt prüfen solltest

Viele Schweizer KMU nutzen ChatGPT, Claude oder Azure OpenAI Service, ohne den zugrunde liegenden Vertrag je gelesen zu haben. Das ist verständlich, aber riskant: Nicht das Sprachmodell entscheidet über revDSG-Konformität, Haftung und Datenschutz, sondern die Vereinbarungen im Kleingedruckten. Wer fünf zentrale Klauseln prüft, verschafft sich schnell Klarheit. Wie wichtig saubere Daten dabei sind, zeigt der Beitrag Datenreife als KI-Bremse.

Die fünf Klauseln im Detail

1. Datenverarbeitungsstandort und DPA

Ein gültiger Auftragsverarbeitungsvertrag (Data Processing Agreement, DPA) ist nach Art. 9 revDSG Pflicht, sobald du personenbezogene Daten an einen KI-Anbieter weitergibst. Bei OpenAI musst du diesen DPA aktiv über die Enterprise-Privacy-Seite abschliessen – er ist nicht automatisch eingebunden. Für Schweizer Kunden läuft der Vertrag über OpenAI Ireland Ltd.; bei Enterprise-Kunden ist eine Datenresidenz in der EU möglich. Microsoft bietet mit den Regionen Switzerland North und West eine Schweizer Datenhaltung; bei Anthropic liegen Daten standardmässig in den USA, EU-Residenz gibt es nur über Amazon Bedrock oder Google Vertex AI.

Kurz gefasst

Prüfe immer: Wer ist dein Vertragspartner? Wo werden die Daten verarbeitet? Liegt ein gültiger DPA vor?

2. Trainingsausschluss

Die zweite entscheidende Klausel ist, ob der Anbieter deine Daten zum Training seiner Modelle verwenden darf. Anthropic räumt in den Commercial Terms ein: Customer Content aus den Services wird nicht für das Training genutzt. Microsoft nutzt Kundendaten ohne ausdrückliche Einwilligung nicht für Trainingszwecke. Bei OpenAI ist der Ausschluss im Enterprise-/API-Bereich über den DPA geregelt – im Consumer-ChatGPT fehlt er. Verlange deshalb einen schriftlichen Trainingsausschluss, wenn personenbezogene oder vertrauliche Daten verarbeitet werden.

3. Löschfristen

Wie lange bleiben Prompts und Antworten gespeichert? Bei OpenAI werden API-Eingaben und -Ausgaben maximal 30 Tage aufbewahrt und danach gelöscht. Bei Microsoft kannst du die Protokollierung deaktivieren, damit Prompts und Abschlüsse gar nicht erst gespeichert werden. Bei Anthropic sind die Aufbewahrungsfristen weniger prominent; du solltest sie aktiv erfragen. Als Faustregel gilt: Je kürzer die Löschfrist, desto besser für die DSG-Konformität.

30 Tage

Maximale Aufbewahrungsfrist für API-Daten bei OpenAI, danach Löschung

4. Subunternehmer

Fast alle Anbieter setzen Subunternehmer ein, etwa für Cloud-Infrastruktur. Entscheidend ist, ob du bei neuen Subunternehmern ein Widerspruchsrecht hast. OpenAI räumt im DPA eine Frist von 30 Tagen ein, um gegen neue Subunternehmer Einspruch zu erheben. Microsoft veröffentlicht eine Subunternehmerliste. Anthropic verarbeitet standardmässig über AWS- oder Google-Cloud-Infrastruktur. Prüfe, ob diese Kette zu deinem Risikoprofil passt.

5. Haftungsobergrenzen

Die Haftungsklauseln unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter erheblich. In der Praxis decken sie selten indirekte Schäden oder Datenverluste in vollem Umfang ab, und die Haftung ist oft auf einen bestimmten Betrag begrenzt. Für KMU heisst das: Lies die Haftungsabschnitte genau und kläre, ob du mit den Obergrenzen leben kannst – oder ob du für kritische Anwendungen zusätzliche vertragliche Garantien oder Versicherungen brauchst.

CLOUD Act nicht vergessen

Alle drei Anbieter sind US-Unternehmen. Selbst bei Datenhaltung in der Schweiz oder EU kann ein US-Gericht unter dem CLOUD Act Zugriff verlangen. EU-Datenresidenz reduziert das Risiko, beseitigt es aber nicht. Wer besonders sensible Daten verarbeitet, sollte das im Vertrag ansprechen.

So gehst du die Prüfung an

Die Prüfung klingt nach Juristenarbeit, aber du kannst sie als Entscheider strukturiert angehen. Wichtig ist, dass du nicht nur den Marketing-Folien vertraust, sondern die tatsächlichen Dokumente sichtest: DPA, Commercial Terms, Produktbedingungen.

  1. Fordere den aktuellen DPA und die Commercial Terms an – bestätige den Vertragspartner.
  2. Prüfe den Datenverarbeitungsstandort: Schweiz, EU oder USA?
  3. Kläre den Trainingsausschluss schriftlich.
  4. Notiere die Löschfristen für Prompts und Antworten.
  5. Lies das Subunternehmer-Kapitel und das Widerspruchsrecht.
  6. Vergleiche die Haftungsobergrenzen mit deinem Risiko.

Wer diese Prüfung vornimmt, hat eine solide Basis. Wenn du tiefer in die Governance einsteigen willst, lohnt sich ein Blick auf Data Governance für KI-Agenten.

Häufige Fragen

Muss jedes Schweizer KMU einen DPA mit dem KI-Anbieter abschliessen?
Ja, sobald personenbezogene Daten an einen Anbieter fliessen, verlangt Art. 9 revDSG einen Vertrag zur Auftragsbearbeitung. Bei OpenAI musst du den DPA aktiv freischalten; bei Microsoft gilt er über das Produkt-DPA; bei Anthropic gibt es ein Schweizer DPA-Addendum.
Liegen meine Daten bei Microsoft in der Schweiz?
Wenn du die Regionen Switzerland North oder West wählst, kannst du die Kundendaten in der Schweiz halten. Andere Dienste wie OpenAI oder Anthropic bieten das nicht direkt.
Darf OpenAI meine Daten zum Training verwenden?
Im Consumer-ChatGPT ist das möglich. Im API- und Enterprise-Bereich schliesst der DPA das Training mit deinen Daten aus, wenn du ihn aktiviert hast. Prüfe das immer schriftlich.
Was bedeutet der CLOUD Act für Schweizer KMU?
Auch bei EU-/CH-Datenresidenz können US-Behörden unter dem CLOUD Act Zugriff verlangen. Das Risiko lässt sich durch Residenz verringern, aber nicht vollständig ausschliessen.
Was ist die kürzeste Löschfrist?
OpenAI löscht API-Eingaben und -Ausgaben nach maximal 30 Tagen. Bei Microsoft kannst du die Protokollierung deaktivieren; bei Anthropic solltest du die Fristen aktiv erfragen.

Quellen

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